Mit ‘literatur’ getaggte Beiträge


und niemand sieht dich
du hebst die arme
winkst
doch keiner gibt den gruß zurück

bindest ein rotes tuch
um deinen kopf
doch kannst du keinen blick
einfangen

du rufst
du schreist
du drohst
bleibst dennoch unhörbar

erschöpft legst du
die wange an die wand
kühlst deine angst
und

gehst endlich
auf dich selber zu

© evelyne w.

 

sichtweisen

© evelyne w.

 

herbstalltag

© evelyne w.

 

alltag 2

 
eichhoernchen

Mein Gefühl ist ein Eichhörnchen. Ich spüre ganz deutlich wie es immer wieder in meinem Bauch nagt, besonders wenn du nicht hier bist. Wie es sich bei deinem Anblick springend voranbewegt, Bäume hochklettert und Vorräte eingräbt in den Boden gemeinsamer Tage. Wenn du es mit Ärger nährst, dann vergisst es auch schon mal auf seine angelegten Vorräte, aber dann sucht es so lange, bis es wieder ein Versteck findet, in welchem es die Zapfensamen unserer Liebesfichte gelagert hat. Seine Ohrpinsel streichen meine Magenwände entlang, um sie vor dem Zusammenziehen zu bewahren, wenn die Angst um dich ihre Säfte hochpumpt. Es balanciert und rudert mit seinem Seelenschwanz, der so lang ist wie der Körper, damit unsere Mitte nicht aus dem Gleichgewicht gerät. Baut viele Nester, nicht nur für dich und mich, doch geht es irgendwo bergab, dann läuft es mit dem Kopf voran, um sich selbst zu schützen. Alles frisst es, alles, aber es ist gelehrig und lernt ganz rasch, wie es die harten Schalen aufbricht und wegwirft, um deine süßen Kerne zu genießen. Ein Einzelgänger, mein Gefühl, das auf uns schaut und nicht erwartet, dass du es für mich tust.

© evelyne w.

mein spezieller dank gilt sarah, bei der ich einen text fand, der mich nicht nur begeisterte, sondern auch zur hinterfragung anregte: Der mit dem Nashorn tanzt

 
alltag
© evelyne w.

 


an heißen nächten
bilden sich kühle ränder

der morgenausblick
verschleiert den horizont

die schwüle weicht
aus atemlosen tagen

die sonne zieht
blasse kreise über uns

© evelyne w.

 


gedankenastern
sonnengelb
herbstzeitlosen
lilaflüsternd

weißtröstende
chrysanthemen
duftige
streichelanemonen

binde ich
mit samtnen blättern
aus der mitte
meines herzens

zu einem strauß
des angedenkens
an dich
die du nun in mir wohnst

© evelyne w.

für meine mutter …

 


nie war genug.
nicht genug da.
nicht genug was ich gab.
nicht genug was ich bekam.
nicht genug was ich war.
nie genug.

jetzt ist genug.

© evelyne w.

 


vorbei die tage
als die hitze uns
die worte raubte
wir seufzten
stöhnten
uns luft zufächelten
als zeichen des verstehens

jetzt sprudeln
die gespräche wieder
in flammend rot
leuchtendem gelb
und sattem violett

aus unseren mündern
tropft die hitze
die der junge wein
noch nicht vermag
zu kühlen

und unsere augen
spiegeln noch immer
sommer

© evelyne w.