alltag 2

Advertisements

 
eichhoernchen

Mein Gefühl ist ein Eichhörnchen. Ich spüre ganz deutlich wie es immer wieder in meinem Bauch nagt, besonders wenn du nicht hier bist. Wie es sich bei deinem Anblick springend voranbewegt, Bäume hochklettert und Vorräte eingräbt in den Boden gemeinsamer Tage. Wenn du es mit Ärger nährst, dann vergisst es auch schon mal auf seine angelegten Vorräte, aber dann sucht es so lange, bis es wieder ein Versteck findet, in welchem es die Zapfensamen unserer Liebesfichte gelagert hat. Seine Ohrpinsel streichen meine Magenwände entlang, um sie vor dem Zusammenziehen zu bewahren, wenn die Angst um dich ihre Säfte hochpumpt. Es balanciert und rudert mit seinem Seelenschwanz, der so lang ist wie der Körper, damit unsere Mitte nicht aus dem Gleichgewicht gerät. Baut viele Nester, nicht nur für dich und mich, doch geht es irgendwo bergab, dann läuft es mit dem Kopf voran, um sich selbst zu schützen. Alles frisst es, alles, aber es ist gelehrig und lernt ganz rasch, wie es die harten Schalen aufbricht und wegwirft, um deine süßen Kerne zu genießen. Ein Einzelgänger, mein Gefühl, das auf uns schaut und nicht erwartet, dass du es für mich tust.

© evelyne w.

mein spezieller dank gilt sarah, bei der ich einen text fand, der mich nicht nur begeisterte, sondern auch zur hinterfragung anregte: Der mit dem Nashorn tanzt

 
alltag
© evelyne w.

 

diesmal nicht in eigener sache aber vorher …

wegen des großen erfolges gibt es eine wiederaufnahme des nestroy-stückes „das mädl aus der vorstadt“ bei den burgspielen hainburg.

theatergehern, für die das regietheater ein ebensolches rotes tuch ist, wie für mich, und die einen authentischen nestroy sehen wollen, kann ich das nur wärmstens empfehlen!
hier der link zu meiner seinerzeitigen rezension: Das Mädl aus der Vorstadt – Burgspiele Hainburg, 4.11.2012″
auch ich werde mir den genuss noch einmal gönnen.

der kartenvorverkauf hat schon begonnen und da es ein winziges, intimes theater ist, ist es gut, sich rechtzeitig karten zu besorgen.

viel spaß! und vielleicht trifft man sich da ja …

burgspiele hainburg

fotos maedl aus der vorstadt

 


an heißen nächten
bilden sich kühle ränder

der morgenausblick
verschleiert den horizont

die schwüle weicht
aus atemlosen tagen

die sonne zieht
blasse kreise über uns

© evelyne w.

 


Die unerkannte Gewalt in der Sprache

Frieden. Ein Thema, das derzeit sehr popluär ist. In Gesprächen. Sonst leider nicht.
Und ich lausche den Diskussionen und kann bereits in den Gesprächen den Frieden nicht entdecken.

Der Frieden wird mit Anschuldigungen, Ausgrenzungen, Sanktionen und Lobbybildung gefordert. In Kontroversen ausgedrückt.
Und ich denke: Auch Frieden ist offensichtlich nur ein Wort.

Was scheinbar allen Menschen fehlt, ist eine bestimmte Fertigkeit: nämlich die Friedfertigkeit. Diese heißt nicht ohne Grund so. Denn sie erfordert eine gewisse Fertigkeit, also ein gewisses Können. Dieses muss von der Menschheit aber erst erlernt werden. Denn wie die Geschichte zeigt, ist mit den bisher angewandten Methoden kein Frieden erreicht worden.
Frieden erfordert vom Menschen FriedlichSEIN. Dieses Friedlichsein kann man jedoch selbstverständlich weder erzwingen, noch vereinbaren. Friedlichsein kann – ja muss – jeder für sich selbst erlernen. Das bringt dann den Frieden in die Welt.

Wir aber fordern Frieden, ohne uns darum zu kümmern, selbst diese Fertigkeit zu erlangen.

Verhängnisvoll steht dem entgegen, dass von Vielen die Gewalt nicht mehr als solche erkannt wird. Die hohe Flut an Information, die unser Zeitalter mit sich bringt, hat dem Menschen die Fähigkeit genommen, Gewalt abzulehnen. Es ist dies ein Akt der Massenverdrängung. Nur so kann der Mensch wohl überhaupt mit ihr leben. Würde er das Ausmaß selbst erfassen müssen, ginge er daran zugrunde.
Deshalb ist sie für uns zu einem notwendig erscheinenden Zubehör des Friedens geworden. Ein solcher Bestandteil unseres Alltags, dass wir sie erst wahrnehmen, wenn unser eigener Schmerz uns darauf hinweist. Der Schmerz des Anderen bleibt hinter der Netzhaut stecken. Manchmal auch schon davor.

Als schreibender Mensch nehme ich mit großer Bestürzung eine Veränderung der Sprache zur Verrohung wahr, die einerseits eine logische Folge ist, andererseits natürlich enorm dazu beiträgt, die unerkannte Gewalt hinzunehmen.
Dies ist aber leider nicht nur in der Umgangssprache so, sondern wird von den kulturellen Trägern bereitwilligst übernommen.

Wenn wir uns näher anschauen, in welchen Worten heute veröffentlicht wird, dann werden wir rasch erkennen, dass in Texten, Theaterstücken und Drehbüchern nur wenig an Friedfertigkeit vorhanden ist. Nicht nur vom Inhalt her, sondern auch die Sprache an sich hat an Aggressivität enorm zugelegt. Ich bin keine große Fernseherin, aber wenn ich gerade am Fernseher mal vorbeigehe, dann fällt mir auf, dass da beinahe immer nur herausgebellt wird.

Ich kann mich erinnern, dass in früheren Jahren, vor allem von den öffentlich rechtlichen Anstalten, großer Wert auf eine sorgfältige und richtige Sprache gelegt wurde. Handelte es sich doch wohl auch um einen Kulturauftrag. Es galt schon als Skandal, wenn ein Nachrichtensprecher einen grammatikalisch falschen Satz sprach.
Abgesehen davon, dass heute Redewendungen verwendet werden, die von Sprachkultur weit entfernt sind, wird den Produktionen, die natürlich der Quote geschuldet sind, eine Normalität zugrundegelegt, in der sich die Protagonisten ausschließlich rüden Umgangstones befleißigen. Fäkalsprache, Schimpfworte, Hetze eingeschlossen. Selbst in Liebesszenen gibt es keine leisen Töne mehr, sondern muss geschrieen und verstümmelt gesprochen werden.
Und interessanterweise bringen solche Produktionen tatsächlich die besten Quoten und auch die größte Resonanz.

Die Literatur konnte sich diesem Wandel selbstverständlich nicht entziehen. Waren es früher wohl Ausnahmen, wenn umgangssprachlich veröffentlicht wurde, so ist das nicht Thema meines heutigen Beitrags. Die Verwendung der Umgangssprache an sich ist nicht das Verhängnis, sondern WIE sich die Umgangssprache verändert hat. Und wie sich durch deren Veröffentlichung die unerkannte Gewalt in unser tägliches Leben schleicht.

Ich habe vor einiger Zeit eine Serie über die Schreibtischtäter geschrieben. Die Reaktionen haben mir gezeigt, wie wenig die Sensibilität für dieses Problem in der Allgemeinheit verankert ist. Wie sehr das Nichtkönnen der Friedfertigkeit als normal – ja darüber hinausgehend sogar als wertvoll, weil angeblich künstlerisch – angesehen wird.

Heute wende ich mich deshalb nicht an die Ausführenden, sondern an die Leser, Konsumenten, Nutzer und Anwender.

Frieden beginnt mit Friedfertigkeit und die Sprache ist ein wichtiges Instrument dafür. Erkennen wir die unerkannte Gewalt in unserem Sprachgebrauch und tragen wir selber dazu bei, Friedfertigkeit auf diese Weise in die Welt zu tragen. Ein erster – aber sehr wichtiger Schritt!

© evelyne w.

 


Die Friedfertigkeit hat mich nun noch weiter beschäftigt.

Wenn ich schreibe, schreibe ich so gut wie nie losgelöst von mir. Ich schreibe eigentlich immer für mich. In der Lyrik meistens, um mich auszudrücken und daraus zu erkennen, wie authentisch ich mich fühle. In Prosatexten, entweder um etwas zu erzählen, das mich gerade interessiert, aber meistens (sogar in meinen Romanen) um etwas zu erkennen, etwas in mir zu hinterfragen und um Ordnung in Gedankenschleifen zu bekommen.
Wenn ich damit hinausgehe, dann um anderen Menschen Perspektiven zu bieten. Denn auch ich bin ja oft froh darüber, Anregungen zur Hinterfragung zu bekommen.

Aber ich schreibe niemals, um Anderen meine Meinung als einzig richtige Weltsicht aufs Auge drücken zu wollen und schon gar nicht, um Anderen Schuld zuzuschieben.

Ich gehöre zu den Menschen, die sich fast nie als Opfer Anderer sehen. Aus dem Grund, weil ich immer versuche, meinen Ausgangspunkt zu erkennen, wo ich im Hier und Jetzt meinen nächsten Schritt setze. Und manchmal ist es dafür wichtig, sich den Schuh eines Anderen anzuziehen.

Deshalb habe ich selbstverständlich darüber nachgedacht, wie es mit meiner eigenen Friedfertigkeit aussieht. Z. B. auch, ob solche Texte denn nun der Friedfertigkeit dienen, sich ihr unterordnen.
Das Ergebnis findet sich hier in der Einleitung.
Aber – es bestärkt mich auch in meinem Bestreben, selber Friedfertigkeit zu lernen, dort wo ich sie noch nicht in mir finde. Denn dass das der Fall ist, erkenne ich auch in so manchen meiner Texte.

Dafür erscheint es mir wichtig, die Friedfertigkeit näher zu beleuchten, um vor allem, die unerkannte Gewalt aufzuspüren. Nicht in der Anprangerung, sondern von der anderen Seite kommend. Nur so kann wirkliches Friedlichsein erreicht und von mir echter Frieden in die Welt getragen werden.

Ich möchte einfach zu dieser Gruppe der Menschheit gehören. Und nicht zu den Anklägern, Anprangern und selbsternannten Weltreinigern. Was mich logischerweise zum Begriff der Besserwisserei führt, die mit Sicherheit auch ein Bestandteil der unerkannten Gewalt ist.
Ich weiß nicht, wie Andere es besser machen könnten oder sollten, aber ich weiß, wie ich es machen möchte. Und dort orientiere ich mich.

Wie nun also würde eine Welt der Menschen aussehen, die die Kunst der Friedfertigkeit in diese bringen.
Friedfertigkeit würde jeden Konflikt beenden.Vielmehr noch, würde sie sogar gar nicht erst zu Konflikten führen.
Unvorstellbar?
Nur dann, wenn man die unerkannte Gewalt nicht in erkannte Gewalt umwandeln kann.

Was uns Menschen leider viel zu sehr fehlt, ist die Sorg(viel)falt, die ihren Wortbegriff, wie man sieht, für mich aus der Vielfalt an Sorge bildet: Fürsorge, Obsorge, Vorsorge …

Sorglicher Umgang, womit auch immer, veträgt sich in keinster Weise mit Gewalt. Erkannter und unerkannter.
Der sorgliche Umgang mit uns selbst beinhaltet, die Gemeinschaft ebenfalls sorglich zu behandeln. Weil das Eine ohne das Andere nicht möglich ist.
Der sorgliche Umgang mit dem, was unsere Erde uns bietet, könnte niemals zu Machtübergriffen führen, die ja wie wir alle wissen, die Grundlage jedes Unfriedens bilden.
Der sorgliche Umgang mit Wissen würde Bildung für alle auf dem Niveau ihres Seins beinhalten und die Wissenschaft ausschließlich in den sorglichen Dienst der Menschheit stellen.

Friedfertigkeit zu erlangen bedeutet also, sich in Sorgfalt zu üben.
Obsorglich damit umzugehen, was uns gegeben ist und vorsorglich darauf zu achten, dass es nicht zerstört wird. Fürsorglich darauf zu schauen, dass es auch Anderen zugänglich gemacht werden kann. Unerkannte Gewalt in diesem Prozess ist dann logischerweise, wenn wir das Prinzip der Sorgfalt aushebeln und beispielsweise darauf achten, dass etwas, das uns gegeben ist, nicht zerstört wird, indem wir das, was Anderen gegeben wird zerstören. Weil alles UNS gegeben ist.

© evelyne w.

 


Das Problem mit der unerkannten Gewalt besteht darin, dass wir von uns selbst Frieden voraussetzen. Der aber in uns gar nicht in der benötigten Form vorhanden ist.
Selbstverständlich sind Andere oft noch unfriedfertiger. Doch das liegt eher an der Konditionierung, wie sie mit ihren Aggressionen umgehen können – oder eben nicht. Beziehungsweise in welchem Kulturkreis sie sich bewegen.
Die Gewaltbereitschaft ist im Menschen verankert, weil die aggressive Abfuhr störender Befindlichkeiten ein wesentlicher Bestandteil des Lust-Unlust-Prinzips ist. Und vielleicht benötigt der Mensch sie auch zu seinem Schutz.
Aber das ist diesmal gar nicht Bestandteil meiner Überlegungen. Über frühkindliche Konditionierungen und gesellschaftliche Verzahnungen des Herdenwesens Mensch habe ich hier ja schon zur Genüge referiert.

Diesmal beschäftigt mich, wie sehr die unerkannte Gewalt in an sich friedlichen Gesellschaften um sich greift. Und wie sehr wir selbst an diesem Prozess beteiligt sind.
Wie schon gesagt, die erkannte Gewalt, ja, die kennt jeder und richtet auch gerne den Zeigefinger darauf. Aber die unerkannte … Diese fällt in den Bereich Bewusstsein und Unterbewusstsein. Solange wir Unbewusstes nicht ins Bewusstsein holen, bleibt es eben unbewusst.

Die meisten von uns leben in keinem Kriegsgebiet, oder in unmittelbaren Kriegsverhältnissen. Die westliche Welt lagert ihre Kriege aus. Wir leben quasi „im Frieden“.
Aber wenn wir um uns blicken, werden wir rasch feststellen, dass von friedlicher Gesinnung und von Friedfertigkeit nicht viel zu erkennen ist.

Und wir selbst? Wir verlassen selber oft genug den Pfad friedfertiger Ansichten und Kommunikation. Beschuldigen, grenzen aus, drohen, setzen uns gegen den Willen Anderer durch, fordern zu unfriedlichen Handlungen auf, bzw. schließen uns einer Lobby an, die unfriedliche Handlungen fordert oder ausführt.

Wenn wir den Vormarsch der rechten Parteien betrachten, ist das ein höchst aussagekräftiges Zeichen!

Es gibt so gut wie nichts Friedliches in deren Programmen und Forderungen. Und auch wenn viele jetzt aufschreien und sagen, ich habe mit denen doch nichts am Hut, dann wird nicht nur einmal der Nachsatz angefügt: aber in diesem oder jenem Punkt haben sie Recht.
Die Sprache dieser Politiker ist nicht zimperlich, da wird nichts verschleiert oder verschämt umschrieben. Und dennoch können sich nicht nur ihre Wähler damit identifizieren.

In meinem eigenen Bekanntenkreis überrascht es mich immer wieder, wie oft Menschen, die sich selbst als friedliebend bezeichnen und im Prinzip auch scheinbar so leben, in Diskussionen so manche Parolen vertreten, die sich eindeutig gegen andere Menschen oder die Umwelt richten und in der nicht ein Funken Frieden vorhanden ist – meisten noch dazu in aggressiver Form. Und gar nicht erkennen, dass sie selbst nicht friedlich unterwegs sind.

In den Familien. Nur wenige Eltern schaffen einen friedlichen Umgang mit ihren Kindern oder Partnern. Und bezeichnen sich dennoch als friedfertig.

Im Kulturbereich. Dort übernehmen so viele friedliebende Menschen diese Modelle und vertreten die Ansicht, das sei wichtig in der Kunst. Das mag auch so sein, aber selbstverständlich kann man auch mit Gewalt friedfertig umgehen, gar mit Gewalt in der Kunst. Doch auch hier kommt es zu Lobbybildungen, die ihre Ansichten über diese Werke dann keineswegs friedlich in die Welt tragen, die Inhalte künstlerisch verherrlichen und in zunehmendem Maße ihre Sprache an Verstümmelung und Verrohung angleichen, weil es ja die Sprache der neuen Kultur ist.

Wie ich eingangs schrieb, ist der Kulturkreis, in welchem man sich bewegt, ebenfalls oft ausschlaggebend für friedfertige Gesinnung. Leider ist ein Teil der Menschheit in einen Kulturkreis hineingeboren, wo Traditionen dies enorm erschweren.
Doch die meisten von uns tragen diesen Hemmschuh nicht. Wir können den Kulturkreis, in welchem wir leben wollen, selber mitgestalten.
Und uns die noble Aufgabe stellen, der unerkannten Gewalt nicht als Wasserträger zu dienen.

Das sind die wesentlichsten Punkte, die ich gerne als Anregung für den Einzelnen – und wie schon geschrieben, immer wieder auch für mich – näher beleuchten wollte.
Weil die Selbsterkenntnis viel mehr für den Frieden bringen kann, als die Forderung danach.

© evelyne w.

 


gedankenastern
sonnengelb
herbstzeitlosen
lilaflüsternd

weißtröstende
chrysanthemen
duftige
streichelanemonen

binde ich
mit samtnen blättern
aus der mitte
meines herzens

zu einem strauß
des angedenkens
an dich
die du nun in mir wohnst

© evelyne w.

für meine mutter …

 


nie war genug.
nicht genug da.
nicht genug was ich gab.
nicht genug was ich bekam.
nicht genug was ich war.
nie genug.

jetzt ist genug.

© evelyne w.