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Freitag Abend in Oslip.
Die Kunstspinne stelt sich vor
die erste Veranstaltung der Kunstspinnen.
Alles war geboten. Jazzmusik vom Feinsten, Bildende Kunst der verschiedensten Richtungen, Figurentheater, und Lesungen, ebenfalls so unterschiedlich, wie Literatur eben sein kann.
Ein höchst gelungener Abend.

 

 

 

Wie wir alle wissen, habe ich ja manchmal Anflüge von Überheblichkeit. Und so ist es nur natürlich, dass ich nicht überall gerne dabei sein möchte.
Aber hier …
Ich freue mich riesig, dass ich in den Kreis der Kunstspinnen aufgenommen wurde. Und zwar so herzlich und freundlich wie selten wo. Ich habe mich sofort wohlgefühlt.

Was ist Die Kunstspinne?

Diese neue Initiative soll gezielt Künstlerinnen im Burgenland fördern und somit die Frauenquote im Kunst- und Kulturbereich anheben.

Die geplanten Leistungen des Netzwerkes:

  • Gemeinsame Einreichungen bei Förderstellen;
  • Kooperationen von Künstlerinnen;
  • Sparten untereinander verbinden;
  • spartenübergreifende Großprojekte;
  • grenzüberschreitende Projekte;
  • Innovationen setzen;
  • Infrastruktur für den Austausch, wie etwa ein Schwarzes Brett, aufbauen; eine spezifische Bibliothek einrichten.
  • Und besonders gewünscht:
    Innerhalb des Netzwerks soll es Konfliktbereitschaft ohne Eitelkeiten geben.

    Und dies alles wurde an diesem Abend spürbar umgesetzt.

    Und so freue ich mich auf eine wunderbare Zusammenarbeit in dieser perspektivengebenden Gruppe von burgenländischen Frauen.

    Danke fürs Gründen dieses Netzwerkes und danke fürs Aufnehmen der ollen Lintschi!


    Leider habe ich keine Fotos außer diesen, die mein Mann vor dem Beginn der Veranstaltung mit dem Handy machte.
    Es blieb nicht so leer. Die Veranstaltung war sehr gut besucht.
    Und der Veranstaltungsort – die NN-Fabrik in Oslip ein höchst origineller Rahmen.

    Copyright-Hinweis: Mein Artikel enthält Originalzitate der Homepage der Kunstspinne.

     

     
    Da komme ich so herrlich entspannt und vollkommen ahnungslos vom Urlaub nach Hause und erfahre so irgendwie nebenbei, dass mein Buch „In der Umarmung des Vergessens – Dementielles“ für den Burgenländischen Buchpreis nominiert ist.
    Ich kann es nicht anders beschreiben, es fühlt sich einfach geil an.
    Nominiert! Das klingt ja wie bei Oskar am Sofa.
    Ich muss schon gar nicht mehr gewinnen. Ich bin damit allein auch schon glücklich.
    Aber vielleicht …
    Wenn beim Lotto alles möglich ist, was weiß man, was dann im Burgenland noch so alles möglich ist …

    Also, liebe Burgenländer, wenn ihr an einer Buchhandlung vorbeikommt, dann bitte geht doch hinein und füllt einen Stimmzettel aus. Ihr könnt dort Büchergutscheine gewinnen.
    Und ich … vielleicht die große Ehre …

     

    in der umarmung des vergessens

     

     

    Immer wieder werde ich darauf angesprochen, dass einerseits so viele Wiederholungen in den Gedichten sind. Knapper wäre besser, meinen Viele. Andererseits sind die Geschichten so nett, aber da könnte man noch viel mehr hineinpacken.
    Es „fehlt“ den Lesern so manches. Und meine Autorenkollegen hätten viele gute Ideen zur Ausschmückung.

    Ich glaube, hier zeigt sich ein wesentlicher Punkt, warum so viele Menschen Probleme mit Demenzkranken haben. Weil sie immer von der eigenen Warte ausgehen.
    Auch hier noch immer, obwohl ich versucht habe, mein Projekt und seine Zielgruppe so gut als möglich zu erklären.

    Umso länger diese Geschichten dauern, umso mehr beschrieben wird, umso weniger können die Dementen folgen! Sie hören ja nicht zu, in diesem Sinn. Also die Geschichte, die erzählt wird, ist dabei unerheblich.
    Es geht um Worte, Begriffe, die etwas in den Hörern auslösen. Aber eben immer nur vereinzelte Worte. Dieses Wort löst einen Ablauf in ihnen aus. Aber es nützt nix, einen Ablauf zu beschreiben. Sie haben ihre eigenen Abläufe dafür.
    Das ist ja die Schwierigkeit dabei, Demente zu verstehen … wichtiger Bestandteil jedes Validationsprogramms.

    Wie schon oft ganz deutlich geschrieben, ist es für mich sehr wichtig, dass Demenzkranke nicht wieder zu Kindern gemacht werden. Und gerade hier liegt ein wesentlicher Unterscheidungspunkt. Der für das Verständnis so unbedingt wichtig ist:

    Kinder müssen erst lernen. Man kann ihnen etwas erzählen, das sie noch nicht kennen oder so noch nicht kennen, sie nehmen ihre Fantasie und bauen sich ein Filmchen. Umso mehr man erzählt, umso mehr können sie vielleicht dazu basteln. Sie lernen aus dem, was ihnen erzählt wird und aus ihrer Fantasie.

    Bei Dementen gibt es keine Fantasie, sondern Erinnerung. Eigene Erinnerung!
    Sie basteln keinen Film aus dem, was man ihnen erzählt, sondern aus dem was sie in sich finden.

    Deshalb hat es keinen Sinn, ihnen Abläufe vorgeben zu wollen, Sie verwirren diese Menschen nur.

    Begriffe müssen abgerufen und angesprochen werden und es muss ihnen Zeit gegeben werden, diese auch wirklich in sich zu finden und zuzuordnen. Umso mehr man darum baut, umso weniger können sie diese wichtigen Worte finden …

    Es ist also kein Regress ins Kinderstadium, sondern eine Entwicklung, die aus ihren Lebenserinnerungen abgerufen wird! Selbst wenn sie sich vermehrt an ihre Kindheit erinnern, dann ist der Prozess aber ihrem Alter und ihrer Krankheit entsprechend und nicht dem Kinderstadium! Deshalb muss man mit diesen Menschen anders umgehen als mit Kindern, darf sie nicht zurückstufen, und dadurch herabwürdigen!

    Und unter diesen Gesichtspunkten schreibe ich diese Texte.

    Ich wiederhole, nicht weil mir nichts anderes einfällt und ich schmücke meine Geschichten auch nicht deshalb nicht aus, weil mir die Fantasie fehlt oder ich keinen größeren Wortschatz habe, sondern weil dies das Besondere an diesen Texten sein muss. Sonst könnte ich ja auch einfach nette Kurzgeschichten aus früheren Zeiten oder Kurzlyrik mit Erinnerungspotential verfassen.

    Feedback zu diesen Texten ist ausdrücklich erwünscht! Und gerne auch Kritik! Aber bitte die vorgenannten Punkte dabei zu berücksichtigen, Kürzungen in den Gedichten oder Ausschmücken der Geschichten anzuregen, sind kein hilfreicher Kritikpunkt.

    Danke!

     

     

    Memory in miniatures

    Bei der geistigen Vorbereitung einer Lesung bin ich auf eine weitere Facette gestoßen. Es gibt in diesem Hörerkreis Menschen in unterschiedlichen Stadien der Demenz.
    Man darf also nicht alle auf das fortgeschrittenste Stadium reduzieren. Es muss auch für die anderen etwas angeboten werden.
    Die weiter fortgeschrittenen Personen werden dabei einerseits einfach als Anwesende integriert. Können aber vielleicht sogar ebenfalls noch mit dem Vortrag, oder einzelnen Erinnerungsworten angesprochen werden.

    Deshalb werde ich meine Dementia-Poetry-Serie um eine Sparte erweitern:
    Die Memory-Miniaturen = MemMinis.

    Es handelt sich dabei um kurze einfache Prosatexte, die sich mit Erinnerungen aus längerfristig zurückliegenden Situationen beschäftigen.
    Um den Bogen besser vom Vortragenden zum Hörer schaffen zu können, wähle ich als perspektivischen Eingangssatz:
    „Als ich ein Kind war …“

     


    Am Beginn stand die Einladung.
    Die Einladung eines Pflegeheims, eine Lesung vor an Demenz erkrankten Menschen zu halten. Demenz in einem doch recht weit fortgeschrittenen Stadium.
    Zuerst war ich erschrocken. Nicht wegen der Lesung an sich, sondern ich dachte – WAS kann ich dort lesen? Meine Texte eignen sich dafür nicht.

    Die Betreuer meinten, darauf käme es nicht so sehr an, es wäre wichtig, WIE.

    Bei den Adventveranstaltungen, die ich dann besuchte, beobachtete ich genau. Die meisten der gut 20 Personen saßen dabei und schauten mehr oder weniger interessiert auf die Bewegung, die dort ablief. Den Wechsel der Pfleger, die ihre Texte vortrugen. Ihren Worten konnten sie offensichtlich nicht folgen.
    Die Musik kam gut an und – die Gebete! Denn die erkannten offensichtlich alle noch. Und viele konnten auch noch Teile davon mitsprechen.

    Ich erkannte, die Veranstaltungen waren liebevoll ausgerichtet, schienen mir jedoch nicht auf die Hörer abgestimmt.

    Und plötzlich drängte eine Idee in mir hoch.
    Es gibt Gedichte für Kleinstkinder, deren Bewusstsein ebenfalls noch nicht begriffsorientiert ist. Sondern Klang, Rhythmus und Emotion beim Vortrag den Zugang zu ihnen schaffen.

    Wieso gab es so etwas eigentlich nicht für jene Menschen, die am anderen Ende des Astes saßen?

    Ich wehre mich absolut gegen die oftmals vertretene Ansicht, alte Menschen würden wieder zu Kindern. Das ist einfach nicht so. Und nimmt diesen Menschen die Würde, die ihnen meines Erachtens, nach einem erlebten Dasein zusteht.
    Alte Menschen werden zu alten Menschen und zu sonst gar nix. Und es kann passieren, dass alte Menschen bestimmte Fähigkeiten, die sie im Laufe ihres Lebens erworben haben, aufgrund von Krankheiten wieder verlieren. Das ist eben so. Und nichts anderes!

    Das zu akzeptieren fällt vielen Menschen schwer. Weil sie ihre eigene Angst vor einem solchen abhängigen Zustand damit verdrängen wollen.
    Doch liegt es nicht gerade an uns, diesen Menschen ihre Abhängigkeit in Würde zu gestalten? Sie zu gleichwertigen Partnern zu machen? Indem wir unsere bewusst steuerbaren Handlungen dafür verwenden, uns auf ihre Augenhöhe zu begeben, um sie zu erreichen.

    Kinder müssen nun einmal von den Erwachsenen lernen. Das ist der Weg, den die Entwicklung nimmt. Aber alte Menschen müssen nicht mehr lernen, Sie müssen mit dem leben, das ihnen zur Verfügung steht, weil sie nicht mehr lernen können.
    Die Anerkenntnis dieser Konstellation müsste einen gesunden, mitfühlenden Menschen dazu auffordern, Hilfe auf dieser Ebene anzubieten und nicht auf der Ebene der Besserwisserei.

    Gibt es deshalb keine Gedichte für Demenzkranke?
    Weil Lyriker ihre Kunst nicht auf diese Augenhöhe absenken wollen?
    Weil Wortdrechselei und Sprachgewalt, sowie die Dichte eines schicksalsträchtigen Inhalts viel mehr Möglichkeiten bieten, den Intellekt oder den Gefühlsausdruck eines Autors zu bewundern? Wir nicht für Menschen schreiben, sondern für Anerkennung unserer vermeintlichen Genialität?
    Finden wir Schreiber alte und kranke Menschen unserer Kunst nicht würdig?
    Oder fehlt uns das Können, ohne den Schutzschild des Sprachschatzes Emotion ausdrücken zu können?

    Und es reifte der Entschluss in mir, diese Anregung zu verfolgen.
    Die Reduktion erschien mir plötzlich verheißungsvoll zuzuwinken. Hier zeigte sich eine enorme schreiberische Herausforderung, dachte ich. Denn ich wollte keine therapeutischen Texte schreiben. Sondern Gedichte.

     


    Ich stellte mir ein handwerkliches Grundgerüst auf.
    Es geht mir darum, dass diese Menschen nicht so leicht mit Sätzen zu erreichen sind. Da sie auch oft Begriffe nicht mehr richtig zuordnen, kann man also nicht über den Inhalt an sie heran.

    Es ist wichtig, in ihnen etwas zum Klingen zu bringen. Sei es durch einzelne Worte, die Erinnerung hervorrufen oder Schwingungen in ihnen auslösen. Durch Klang oder Rhythmus, oder Intensität der Wiederholung.
    Ein Sing-Sang wäre gut, aber natürlich möchte ich nicht LaLeLu oder Tralala verwenden.

    Also denke ich, die richtigen Ingredienzien wären

    • Einzelne bekannte Begriffe aus dem Alltag
    • nach Möglichkeit aus einem Alltag vor vielen Jahrzehnten
    • Wiederholungen
    • Klangbilder
    • Auch sollte viel Raum bleiben, um den Hörern Zeit zu geben, die Worte anzunehmen, sie zuzuordnen, um sie dann in der Wiederholung wieder zu erkennen
    • Der Inhalt sollte sich auf jeden Fall auf ein Erwachsenenleben beziehen
    • Die Texte sollten so einfach vorzulesen sein, dass sie jeder vortragen kann – vornehmlich Angehörige. Einfach einen Rhythmus ergeben, um sich dem Hörer widmen zu können, nicht dem Vortrag.

    Für eine öffentliche Lesung gäbe es natürlich noch besondere Punkte zu beachten.
    • Nicht von einem Standort aus lesen, sondern auf die Leute einzeln zugehen, sie direkt ansprechen
    • Blickkontakt suchen
    • Eventuell mit Bewegungen oder auch Gegenständen unterstützen

    Ja, und nun will ich einmal schauen, was aus meiner Idee wird. Werde ein bisschen herumexperimentieren.

    Und – bin für Anregungen sehr dankbar!

    Wenn jemand eine Idee hat für Begriffe, die ansprechen könnten, oder auch, wenn noch etwas wichtig erscheint, um verständlicher zu werden.
    Oder auch wenn jemand einen Link weiß, wo es doch Texte für Demenzkranke gibt. Vielleicht habe ich ja nur nicht gut genug gesucht …

    Da würde ich mich sehr darüber freuen und danke schon im voraus dafür!