Mein Gefühl ist ein Eichhörnchen

Veröffentlicht: 15. September 2013 in Die Wichtigkeit des Seins, Prosa in Stückchen
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eichhoernchen

Mein Gefühl ist ein Eichhörnchen. Ich spüre ganz deutlich wie es immer wieder in meinem Bauch nagt, besonders wenn du nicht hier bist. Wie es sich bei deinem Anblick springend voranbewegt, Bäume hochklettert und Vorräte eingräbt in den Boden gemeinsamer Tage. Wenn du es mit Ärger nährst, dann vergisst es auch schon mal auf seine angelegten Vorräte, aber dann sucht es so lange, bis es wieder ein Versteck findet, in welchem es die Zapfensamen unserer Liebesfichte gelagert hat. Seine Ohrpinsel streichen meine Magenwände entlang, um sie vor dem Zusammenziehen zu bewahren, wenn die Angst um dich ihre Säfte hochpumpt. Es balanciert und rudert mit seinem Seelenschwanz, der so lang ist wie der Körper, damit unsere Mitte nicht aus dem Gleichgewicht gerät. Baut viele Nester, nicht nur für dich und mich, doch geht es irgendwo bergab, dann läuft es mit dem Kopf voran, um sich selbst zu schützen. Alles frisst es, alles, aber es ist gelehrig und lernt ganz rasch, wie es die harten Schalen aufbricht und wegwirft, um deine süßen Kerne zu genießen. Ein Einzelgänger, mein Gefühl, das auf uns schaut und nicht erwartet, dass du es für mich tust.

© evelyne w.

mein spezieller dank gilt sarah, bei der ich einen text fand, der mich nicht nur begeisterte, sondern auch zur hinterfragung anregte: Der mit dem Nashorn tanzt

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Kommentare
  1. Sarah sagt:

    Von wegen du bringst momentan keine Texte zustande… Das hast du wunderschön geschrieben! Bin begeistert! 🙂

    • evelyne w. sagt:

      ja, heute gings dann plötzlich, ich war selber überrascht. auch wenns im vergleich zu deinem text echt blasslila bleibt.
      die inspiration hat doch funktioniert. dafür kann ich dir gar nicht genug danken.
      aber allein die erkenntnisübung war höchst spannend. doch die steht im tagebuch *ggg*
      das hier ist dann schon „text“ …

      lieben gruß
      lintschi

  2. finbarsgift sagt:

    ein ganz wundervolles verbales und fotografisches Gefühlssinnbild!

  3. philosworte sagt:

    Sehr schöne Idee, mit diesem Eichhörnchen kann sich wohl jeder identifizieren.

  4. hach, ein Supertext, spitzbübig und listig, frisch und frech, wie die kleinen Kletterkerlchen, denen ich so gerne zusehe, wenn ich sie mal entdecke.
    Lieber Gruß von Bruni

    • evelyne w. sagt:

      danke bruni,
      wie immer freue ich mich über deinen besuch
      und natürlich, dass dir mein gefühlstierchen gefällt.

      ich kann nur raten, selber so eine spürübung zu machen. ist wirklich nicht uninteressant, was dabei herauskommt.

      ganz lieben gute-nacht-gruß
      lintschi

      • hm, ja, ich bin erst mal zum Nashorn gewandert u. überlege nun, spüre in mich hinein u. grübele, kein eichhörnchen u, kein trampeltier, es könnte ein scheues rehkitz sein oder ein hoppelhäschen… *lächel*

      • evelyne w. sagt:

        liebe bruni,

        eine „spür“übung, da grübelt man nicht 🙂
        ich mach das immer so (seit vielen jahren, seit ich den umgang mit dem inneren kind gelernt habe):
        ich setze mich entspannt hin, schließe die augen, atme ein paarmal ein und aus, versuche dann mich auf meinen bauch zu konzentrieren, stelle eine frage und die erste antwort, die kommt, mit der wird gearbeitet.
        in diesem fall war meine „aufgabe“ zu spüren, welches tier in meinem bauch (also das gefühl) sitzt. und mir fiel das eichhörnchen ein. dabei habe ich mit eichhörnchen absolut nichts zu tun, habe seit jahren keines mehr gesehen.
        dann habe ich mir die merkmale des eichhörnchens bei tante wiki angesehen, sie punktuell in mein tagebuch geschrieben und dann punkt für punkt in mir selber hinterfragt. wenn wo was nicht gleich passte (wie z.b. beim einzelgänger), dann suchte ich so lange, bis ich etwas erkenne. denn die erfahrung hat mir gezeigt, dass ich auf diese weise am meisten über mich erfahre, was sich bis zu diesem zeitpunkt noch versteckt hält.

        ich kann das nur jedem empfehlen. ich hab das schon öfter geschrieben. ich habe mit solchen übungen eine schwere krankheit zum verschwinden gebracht. und das vor mehr als 25 jahren.
        die selbstverantwortung und das selbstvertrauen kann man auf diese weise enorm stärken.

        was dabei wirklich rauskam, steht – wie vorher schon geschrieben – aber im tagebuch.
        ich hab dann nur eine geschichte darum gerankt, weil mir das bei sarah so gut gefallen hat und ich mir im moment eh nicht leicht mit texten tu.
        aber hier ist es auf partnerschaft bezogen und ich habs für mich natürlich auf mich als persönlichkeit gemacht.

        gutes gelingen 😉

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