hinter meiner stirn

Veröffentlicht: 15. Juni 2013 in Gedichte, Hörtexte, Philosophische Gedichte, Prosalyrik
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an manchen tagen
denke ich
wo ist die lyrik hingekommen?

gut, poesie
macht sie noch lang nicht aus
ist ein ganz anderes genre

doch warum muss
lyrik modern so schwer
an unserer zeit nagen
an ihr leiden?

ja, unsere zeit
die gibt was her
und dennoch ist sie doch
genau so gut
oder so schlecht
wie alle zeiten
vor ihr

und ist ein lyriker
wirklich dazu berufen
sich zu mokieren
über andrer leute taten

ein aufdecker
ein schmutzaufrührer
ein journalist
der mit verstümmelt‘
sätzen spricht

oder ein exhibitionist
der seinen seelenschlamm
nicht bei sich elbst
zu halten schafft

soll nicht die lyrik
vielmehr sein
ventil für sinnlichkeit

auch wenn in dunklen
tönen melancholie
und schauder
zum erklingen kommen

sogar für politik
wurde in früheren
gedichten wortgespinst
verwendet

heut ists der harte
schlag der oft geführt wird
mit einer silbenkeule
ohne melodie

der intellektuelle schein
überdröhnt stille gassen
in deren nischen
sich die emotion versteckt
vor den konstrukten
thesaurierter wortgewalt

wo sind die stirnen
hinter denen
gedichte ihre heimat fanden

in jenen tagen
wo sich ein versmaß
mit gefühlen paarte
um unseren geist
zu nähren

nicht abzustoßen ihn
von literatur und mensch

© evelyne w.

 

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Kommentare
  1. finbarsgift sagt:

    das Poem von dir hier,
    liebe evelyne,
    das Poem gefällt mir
    WIRKLICH sehr!

    Darf ich es mopsen?

    Hab ein schönes WE 🙂
    lg vom lu

    • evelyne w. sagt:

      lieber lu, wofür willst du es mopsen?
      für dein blog? gern (bitte mit quellenangabe …)

      ich werd es heute auch noch sprechen … 😉
      dir auch ein schönes wochenende
      lg li

      • finbarsgift sagt:

        oh ja, im blog wäre noch besser, okie dokie, danke!!!
        (klar mit kwellenangabe, logo)

        wo hast du es denn gesprochen??? 🙄

      • evelyne w. sagt:

        du, ich will dich nicht nötigen. ich wusste nur nicht. wofür du es sonst mopsen wolltest?
        gesprochen … schau mal unter dem text ist der link
        bzw. gerne hier ganz bequem noch einmal 😉

  2. Corinna sagt:

    Die Poesie lebt. aber sie lebt in Nischen wie Deiner oder z.B. auch hier http://eitelkunst.de/ Generell habe ich den Eindruck, dass Gedicht eher verschämt im Kämmerlein geschrieben und gehalten werden, weil die Dichter, die ich sonst noch kenne, die Auseinadersetzung mit ihren Texten scheuen (selbst wenn sie sie der Öffentlichkeit preisgeben).

    Davon abgesehen finde ich, dass jede Lyrik ihre Berechtigung hat – auch politische. Im Moment fühle ich mich auch gedichtig und habe ein paar geschrieben. Es fällt mir dabei generell leichter, meine persönliche Befindlichkeit zu reflektieren als etwas „Allgemeingültiges“ zu schreiben.

    • evelyne w. sagt:

      ich weiß natürlich selber, dass poesie und lyrik nicht unbedingt zusammengehören.
      und selbstverständlich hat jeder ausdruck seine berechtigung. und wenn ihn jemand lyrik nennt, dann ist das für mich auch ok.

      dies hier ist ein ganz persönlicher eindruck. der natürlich durch das internet verstärkt wird. weil einfach jeder sich dazu berufen fühlt „gedichte“ zu veröffentlichen (auch ich
      und ich persönlich aber mit wortgedrechsel und diesen erhobene-zeigefinger-gedichten nichts anfangen kann.

      politische gedichte … hab ich ja geschrieben … wenn ich an neruda oder brecht denke, das waren politische gedichte. aber doch nicht eine ansammlung von begriffen, die im staccato auf den leser losgefeuert werden.

      aber wie gesagt, meine höchst persönliche meinung …

      • Corinna sagt:

        Welche politischen Gedichte meinst Du denn? Ich bin nicht so bewandert… mir fällt da gar kein zeitgenössischer Autor ein.

  3. Wo die Lyrik hinkam?

    Zu uns,

    daß wir sie

    finden, lieben

    und uns dort

    bekennen, wo

    mancher meint,

    bei schlichtem

    Liebeswort

    schon

    Kitsch

    zu erkennen

    Lächende Grüße von Bruni

  4. liebe lintschi, ein starkes leidenschaftliches plädoyer! für „romantische lyrik“ für „verständliche“ lyrik? das lese ich jedenfalls vorrangig aus deinen zeilen heraus.

    „soll nicht die lyrik
    vielmehr sein
    ventil für sinnlichkeit“

    ich meine: ja, AUCH!

    aber sie hat wohl einfach noch viel mehr funktionen. vieles findet (ja nicht nur erst heutzutage) seine berechtigung „lyrisch“ verarbeitet zu werden (beweist doch auch gerade dieses hier?!) , und das auf vielerlei weise.
    und gerade die lyrik bietet ja so viele möglichkeiten mit sprache zu spielen, zu experimentieren.
    und das ist auch gut so! meine ich. (um ein bekanntes zitat zu bemühen ;))

    allerdings kann man aus meiner sicht nur „gut“ (oder authentisch!) über das schreiben, wozu man einen echten bezug hat, darüber, was einen bewegt. (aber das bezieht sich natürlich nicht nur auf die lyrik.) und das – das erreicht dann auch andere. 🙂

    liebe grüße zu dir
    von diana

    • evelyne w. sagt:

      nein, es geht mir nicht um romantische lyrik und auch nicht um verständliche.es geht mir darum, dass lyrik für mich eine der ganz wenigen möglichkeiten ist, direkt in den bauch zu gehen, wie musik oder malerei …
      ein emotionstransportmittel sozusagen.
      wenn nun dieses dafür verwendet wird, um worte zu transportieren und nicht gefühle, dann ist das, meiner ganz persönlichen ansicht nach, verfremdet.

      und das ist für mich das einzige kriterium.

      wie ich vorher bei corinna schrieb.
      wenn dann wortgedrechsel auftreten, dann gibt’s keine emotion, dann steht der intellekt im vordergrund. und um meinen intellekt zu befriedigen, „brauche“ ich keine gedichte.

      und die moderne lyrik ist halt für mich durch dieses ewige verdichten meistens ein herumgestammel, und in weiterer folge sogar gestümmel.

      natürlich gibt es auch da ausnahmen. aber sie bleiben eben ausnahmen …

      heute „hotgreetz“ zu dir 😉

      • ja, liebe lintschi, lyrik hat die möglichkeit, „direkt in den bauch zu gehen“, wie du sagst.
        ich denke aber, dass es nicht die einzige möglichkeit oder berechtigung ist, sondern dass lyrik durchaus auch anders wirken kann.
        klar, ich stimme insofern mit dir überein, dass ich sage – lyrik ist für mich gut, wenn sie mich auf irgendeine weise berührt, wenn sie mich anspricht, wenn sie zu mir spricht. aber das sind vielleicht andere texte als die, die dich wiederum (emotional) ansprechen.

        zum „verdichten“ – nun, es kommt natürlich auf das „wie“ an.
        es gibt tolle gedichte, die mit sehr wenig, aber sehr wohlgesetzten worten auskommen und dabei eine menge transportieren, meine ich.
        und das „verdichten“ ist ja auch nur EIN merkmal moderner lyrik.
        außerdem gibt es ebenso „moderne“ gedichte, die im gegenteil sehr ausformuliert sind, an prosa grenzen, ach, das ist ein so weites feld.

        eines noch vielleicht: lyrik ist letztendlich eben /auch/ geschmackssache!

        in diesem sinne, dir auch sonnigste grüße,

        diana

      • evelyne w. sagt:

        liebe diana,

        natürlich hat jeder seine eigene überzeugung. und das ist für mich sowieso ok.
        ich schreibe hier lediglich über meine. die erhebt keinerlei anspruch auf allgemeingültigkeit!

        für mich ist lyrik dieses gefühlstransportmittel und ich hab meiner empfindung hier ausdruck gegeben. sonst gar nix …

        noch ein (letzter schwimmen) schneller gruß
        deine lintschi

  5. bmh sagt:

    Liebe Lintschi, Deine Gedanken sind auch meine.
    Ich lasse mich nicht verbiegen und schreibe, wie es mir gefällt.
    Genieße Deine Auszeit und komme mit vielen Ideen zurück..

    Barbara

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