Die Vorfälle und Reaktionen der letzten Tage haben mich dazu veranlasst, meine Gedanken über Manipulation und Propaganda etwas leidenschaftsloser zusammen zu fassen.
Ein Artikel wie „gehirnamputiert“ kann natürlich sehr polemisch und plakativ angesehen werden. Und war es sicher auch.
Ich habe mich aufgeregt …

Aber gerade durch diese Aufregung kam vielleicht der Hintergrund gar nicht so zum Vorschein, worum es mir geht. Und was dieser Fall in seiner Medienpräsenz eigentlich in mir ausgelöst hat. In welches Töpfchen er bei mir gefallen ist.

Es ging in den Konfrontationen noch immer viel zu viel um Frau Jolie, die aber in meinen Augen auch nur ein Werkzeug ist.
Das Problem war und ist aber doch, dass es mit der Beschreibung ihrer Persönlichkeit zusammenhängen musste, um zu erklären, wie krass mir der Fall erscheint. Weil der Psychosomatik damit Tür und Tor geöffnet wurde. Genauso, wie die Konzentration auf den Brustkrebs ja nur ein einseitiges Bild zeichnen konnte. Der betroffene Frauen natürlich sofort auf die Barrikaden rief, weil sie meinten, ich würde der Krankheit zu wenig Bedeutung beimessen. Ich würde mich gegen die Frauen wenden.
Nein, nein, es geht mir um Manipulation und Propaganda, die durch diesen Fall wieder einmal die Masken fallen ließen. Für mich …

* * * * *

Ich gehe davon aus, dass die westliche Welt an und für sich eine Manipulationsgesellschaft ist. Dass der individuelle Anteil so gering wie möglich gehalten wird, um die Massen dorthin dirigieren zu können, wo man sie haben will.

Mein Zugang ist ein anderer. Ich komme von der Individualpsychologie. Sie hat mir das Leben gerettet …

In unserer Gesellschaft wird dem Einwirken von außen weitaus größerer Raum gegeben als dem Wirken des Einzelnen in sich selbst.
Deshalb werden ihm gewisse Regeln für seinen Körper vorgesetzt – weil dieser ja als real angesehen wird und vergleichbar scheint – die deshalb als allgemeingültig auf kollektiv unbewusster Ebene in die Menschen abgesenkt werden.
D.h. es wird ein Bild der Öffentlichkeit geschaffen, dem sich der Einzelne fast nicht entziehen kann, weil er die vielen Bereiche nicht gesondert hinterfragen kann.

Der Mensch sucht sich also eine Handvoll Bereiche heraus, wo er versucht, entweder mitzugehen oder zu opponieren. Aber über das kollektive Unbewusste, das er auf diese Weise nicht abwehren kann, werden immer wieder Vorgänge in ihm abgespeichert.
Und das oft auf Umwegen.

Der einzige Schutz:
Der Mensch muss sein Selbstbewusstein über das Selbstgefühl stärken und nicht über die Informationen der Außenwelt.

Wenn wir die Augen aufmachen, sehen wir sofort, dass dies absolut nicht so läuft, sondern total konträr. Die Menschen suchen Schutz in vermeintlicher Gleichgesinnung. Doch diese Gleichgesinnung wird manipuliert. Weil die Gesellschaft dadurch zu einem homogenen Objekt wird, das man natürlich wesentlich leichter lenken kann, als viele, viele Einzelobjekte.

Das ist mein Ausgangspunkt.
Oder einer. Denn der andere ist natürlich mein Informationsstand über Psychologie, der wahrscheinlich überdurchschnittlich ist.
Im Prinzip gehören die beiden aber zusammen, weil sich aus der psychologischen Grundlage des Menschen diese ganzen Strukturen ergeben. Man muss also die Unzahl an persönlichen Strukturen auf einen einzigen Punkt bringen, wo alle Menschen ansprechbar und lenkbar sind.

Denn je sicherer sich ein Mensch in sich selbst fühlt, desto weniger ist er von außen beeinflussbar.
Nun sind wir aber alle nicht von allein selbstsicher. Jeder erleidet auf dem Weg zu seiner Individuation Verletzungen. Manche mehr, manche weniger, manche ganz schwere, manche nur leichte, manchen werden sie bewusst zugefügt, den meisten unbewusst.

Diese Verletzungen erzeugen in dem Menschen Angst. Ganz klar.
Er versucht sich davor zu schützen. Üblicherweise mit Fokus auf Bereiche, die ihm sicher erscheinen. Andere werden ausgeblendet.
Aber eben nur ausgeblendet. In seinem Inneren sind sie vorhanden und vollführen auf unbewusster Ebene ihr Werk. Ambivalenzen zum Bewusstsein sind die Folge, diese führen zu Neurosen. Die Neurose sucht sich einen Ausdruck. Manchmal in psychischen Störungen, oftmals in körperlichen Krankheiten.

Der unbewusste Anteil eines Menschen ist um ein Vielfaches größer als sein bewusster. Das ist auch zu seinem Schutz. Denn wäre das nicht so, müsste er ja verrückt werden. Wenn er alles bewusst wahrnehmen müsste!
Seinen unbewussten Anteil erreicht der Mensch aber nur über sein Gefühl. Eh klar, wenn etwas im Gehirn denkfähig wird, ist es nicht mehr unbewusst …

Wenn nun die Angst vor dem Gefühl liegt, mit welchem der Mensch auf seine unbewussten Anteile zugreifen könnte, dann ist eigentlich irgendwie logisch, was dann passiert. Er muss seine Handlungen aus seinem Bewusstsein nähren.

Da also jeder Mensch Angst anerzogen bekommen hat, ist sie der große gemeinsame Nenner!

Und auch wenn die Ängste ganz unterschiedlicher Art sind, so kann man jeden über die Angst erreichen.

Deshalb wird von den Machthabern die Angst geschürt. In so vielen Bereichen wie nur möglich. Und zwar auf eine sehr subtile Weise. Es werden bewusste, logisch erscheinende Vorgänge propagiert, in deren Inhalt jedoch die Angst machenden Botschaften nahezu unsichtbar versteckt sind.
Da es so viele unterschiedliche Ängste sind, pickt sich der Einzelne nur diejenigen heraus, von denen ihm sein Bewusstsein vorgibt, dass sie ihn selbst betreffen. Und sucht dafür den Schulterschluss zu Anderen, die die eigenen Ängste teilen.
Und seltsamerweise so gut wie nie Jene, die diese Angst nicht teilen, obwohl diese ja eigentlich etwas wissen könnten, das diese Ängste vertreibt oder nicht aufkommen lässt, oder wie man mit ihnen umgehen könnte. Denn die stören das Gefühl der Sicherheit.

In unserer Gesellschaft geht alles um Wirtschaft und Konsum. Dort liegt die wahre Macht. Medien und Politik sind willige Handlanger, weil sie sich dadurch wieder selbst vorgaukeln können, dass SIE die Macht haben. Und über diese Schiene wird vorgegaukelt, dass in der Masse die Sicherheit liegt. (Ich empfehle Elias Canetti: Masse und Macht).

Doch in der Masse liegt absolut keine Sicherheit!
Weil dort der Einzelne nichts Wert ist und deshalb dem Gesamten jederzeit geopfert wird, ohne auch nur einen Gedanken an ihn zu verschwenden.

Und all das habe ich in diesem Fall so brutal vor Augen geführt bekommen. Und bin schwer erschüttert, weil ich merke, wie wenige Menschen sich heute dem vorgegeben Modell noch entziehen können und zu welchen Mitteln gegriffen wird. Dass z.b. Organe von Menschen unbedeutend werden, wenn es darum geht, die Macht zu behalten. Dass der Respekt vor dem Körper des Einzelnen brutalst geopfert wird, um Dinge durchzuziehen, und alles unter dem Mäntelchen, den Menschen helfen zu wollen.

Ich muss jetzt aufhören, denn ich spüre, wie es schon wieder auf mich überschwappt …wie ich schon wieder kotzen gehen könnte …

© evelyne w.

 

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Kommentare
  1. … da kommt mir irgendwie folgendes zitat aus dem film „das leben des brian“ in den sinn:

    „ihr seid alle individuen!“ – die masse brüllt: „ja, wir sind alle individuen!“ eine stimme: „ich nicht!“

    tjaaa …

    nachdenkenswert, was du da schreibst, liebe lintschi, ja ja ja.

    herzlich,
    deine diana

  2. Masumi sagt:

    ich musste beim lesen sehr stark an meine lektüre dieses buches denken, liebe lintschi:
    http://zwanzigsternovember.blogspot.de/2013/03/buchtipp-die-amerikanische-krankheit.html
    da geht es um ein anderes thema, also amok, nicht körperwahn. im kern aber sind die überlegungen zu deinen sehr ähnlich. zum einen hat sich durch den einfluss der medien in bezug auf (gruppen)zugehörigkeit viel verändert. zum anderen analysiert der autor den starken einfluss sogenannter „mythen“ auf unser unbewusstes. grüße aus ms, masumi 🙂

    • evelyne w. sagt:

      liebe masumi,

      im prinzip geht es immer um das selbe. es ist der zeitgeist, der uns umweht.
      und er weht durch alle bereiche. nein, er stürmt durch alle bereiche. und reißt so viele(s) mit sich …

      interessantes blog hast du dort. hatte jetzt zu wenig zeit, aber ich komm da wieder hin zum lesen. ganz sicher 😉

      schönen abend!
      ganz lieben gruß
      lintschi

  3. Eines muß ich zu Anfang sagen, ich habe die Gehirnamputation noch nicht gelesen, nur diesen Artikel u. da ich ihn sehr spannend fand, bin ich über die einzelnen Worte geflogen u. habe vielleicht das eine oder andere Wichtige übersehen.
    Eines kam aber beim ersten Lesen ganz klar bei mir an und ich unterschreibe es Wort für Wort:
    Die Angst wird geschürt, bewußt manipuliert
    und nun werde ich meinen sehr wichtigen Arztbesuch wahrnehmen (etwas schnürt mir die Luft ab) und dann die Gehirnamputation lesen.

    Aufregen nutzt nix, liebe Lintschi – das erfahre ich sooooooo oft und das sachlich Bleiben ist hochwichtig,aber fast nicht zu bewältigen.

    Bis später
    LG von Bruni

    • evelyne w. sagt:

      ich fang hinten an: ach, ich bin eine schreiberin. und eine diskutiererin. ich muss mich zeitweilig aufregen, sonst würde ich nur dahin plätschern in meiner persönlichen zufriedenheit 😉

      und es gibt eben bereiche, wo ich das gefühl habe, ich kann doch jemanden aufrütteln. und das war ja auch hier der fall (also nicht hier im blog – hier kommen wahrscheinlich nur mehr leute her, die schon wissen, was sie von der ollen lintschi zu erwarten haben *gg*)
      ich bin ja keine, die glaubt, ich muss die „welt“ aufrütteln. wie gesagt, meins ist das klein-klein. dort kann ich was bewirken. und solche gelegenheiten lasse ich nicht gern aus.

      ich werde niemals einen krieg verhindern können, aber ich kann menschen zum nachdenken darüber anregen, was mit ihnen selbst geschieht, wo in ihre persönlichkeit eingegriffen wird …

      die gehirnamputation, wie gesagt, ist wohl ein bisschen deftig ausgefallen.
      aber – ich habe z.b. auch gemerkt, dass dieser so informative, aber doch milder gehaltene text hier, fast niemanden hinter dem ofen hervorlockt.
      nicht, dass du nun glaubst, ich schreibe deshalb provokativ, damit ich gelesen werde.
      nein, wie vorher schon angeführt, weil man so eine diskussion wesentlich besser anreizen kann, als mit noch so gescheiten oder schönen texten. und weil dann doch auch immer wieder jemand dabei ist, der da für sich etwas herauspickt.

      ich wünsche dir ganz viel gutes für deinen arztbesuch. ich denke an dich und werde positive gedanken auf dir abladen …

      herzlich
      deine lintschi

  4. Corinna sagt:

    Ich teile diese Gedanken hier absolut. Gerade aus der Distanz heraus merke ich jetzt häufiger, wie man in Deutschland in Angst gehalten wird, damit man funktioniert, wie andere es wollen. Da reichen schon die Berichte meiner Freundin von ihrer Arbeitsstelle. Abgesehen davon sollte jeder wirklich seine eigenen Entscheidungen fällen. Man kann sich Anregungen für die verschiedenen Möglichkeiten zum Umgang mit Problemen von anderen holen wie z.B. auch von A.J.; trotzdem muss jeder wissen, was für ihn selbst am besten ist.

    • evelyne w. sagt:

      liebe corinna,

      herzlichen dank!
      ja, es sollte jeder wissen, was für ihn selbst am besten ist.
      das problem ist, dass es viele einfach nicht erkennen. was aber auch kein wunder scheint. zu dicht ist das dickicht der manipulation und des kollektiven unbewussten.

      aber genau, auch schlechte beispiele sind beispiele, aus denen man viel lernen kann.
      und so will ich es hier in diesem fall hoffen …

      ganz lieben gruß und schönes wochenende!
      lintschi

  5. Fini sagt:

    Ich habe Deinen Beitrag „Gehirnamputation“ auch noch nicht gelesen, aber in diesem Beitrag gehe ich mit Dir mit jedem Wort absolut konform.
    Es ist beängstigend, wie sich Menschen manipulieren lassen und es noch nicht einmal merken.:-(
    Vielen Dank liebe lintschi für diesen Beitrag
    und liebe Grüße
    Fini

    • evelyne w. sagt:

      manipulation funktioniert ja nur auf der ebene, dass die menschen es nicht merken …
      das traurige ist, dass sie das aber nicht glauben. die meisten glauben, sie handeln nach eigenem willen und verteidigen diesen mit zähnen und klauen.

      danke und liebe grüße zu dir!
      lintschi

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