Flossenbürg 2011 – I. Ankunft

Veröffentlicht: 12. Juli 2011 in Flossenbürg 2011
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Flossenbürg 2011 – Versuch eines Spürberichts

Ankunft

Eine Deutschlandrundreise, unterwegs zu vielen lieben Freunden. Erste Anreise durch die Oberpfalz und mein Mann, der an einer Serie „Shoa“ malt, wollte selbstverständlich nicht an Flossenbürg vorbeifahren. Es war ein „kleines“ Lager, ist vielen heute nicht einmal vom Namen her bekannt, idyllisch gelegen, an einem Steinbruch. Mehr als 100.000 Gefangene gingen durch dieses „kleine“ Lager. Die meisten in den Tod. Alle in Verdammnis.

Es ist schon länger her, als ich das letzte Mal in einem ehemaligen Konzentrationslager war und ich war gespannt, wie es diesmal für mich sein würde. Ich fürchtete mich nicht, ich weiß, dass ich die Kraft habe, mich damit auseinanderzusetzen. Was man dort sieht, das weiß man ja im vorhinein und da ich nicht zu den großen Verdrängern gehöre, beschäftige ich mich mit dem Thema immer wieder. Auch habe ich keine Vorfahren, die diesem Horror unmittelbar ausgesetzt waren und auch keine eigenen Erfahrungen mit Verfolgung, Identitätsraub, Hass, Folter und schwerer Erniedrigung. Die Gnade der Geburt …

Doch ich bin ein Mensch, der sein Dasein vom Spüren aus leitet, einer der nicht in Bildern denkt; ich habe kein inneres Auge, ich denke mit dem Bauch. Deshalb wusste ich, ich würde dort weder Gefangene noch Täter herumlaufen „sehen“, der Ort würde von daher keineswegs bedrohlich auf mich herüberkommen. Doch es würden schwere Strömungen durch mein Ich fließen. Ich würde wohl an die Grenzen meines Spürens gelangen.

Das Gebäude selbst war für mich noch keine Herausforderung. Ich stand davor, betrachtete es ruhig, die Spiegelung des strahlendblauen Himmels in den Fenstern und den verhältnismäßig kleinen bogenförmigen Durchgang. Das einzige, das ich spürte, war eine leichte Nervosität, Spannung stieg in mir auf … Dann durch das Tor. Noch immer war ich neugierig, meine Augen nach vorn gerichtet, was mich nun erwarten würde.

Da lag ein Vorhof, doch mein Blick wurde abgelenkt von dem Tor, durch das ich als nächstes gehen musste. Das Lagertor. Heute ein Durchgang mit einer Gedenktafel.

Das Lagertor selbst wurde an einen anderen Platz gebracht. Zuerst war ich irritiert, dann ein wenig erleichtert, ich würde nicht durch dieses Lagertor treten müssen. Es brachte mir Aufschub.

Teil II – Der Appellplatz >>>

 

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Kommentare
  1. Gabi Arens sagt:

    Hallo Evelyne,Dein Bericht ist gut.Es ist fast so , als wäre man selbst dabei gewesen.Ich denke,es sind auch nicht die Gebäude ,die Angst machen.Es ist immer nur der “ Mensch“

  2. evelyne w. sagt:

    danke gabi! ich freue mich, dass du hierher lesen gekommen bist!
    und natürlich hast du recht, nicht die gebäude machen angst. aber das, was sie ausstrahlen, könnte doch beklemmend werden …

  3. Inge Stepan sagt:

    ..sehr schöne Seite Evelyne,
    ..ich werd öfter mal bei dir reinschaun und freu mich auf die Fortsetzung..:-)

  4. Rachel sagt:

    Du Liebe,

    in Torgau war ich auch mal drin, puh, mir war das schon unheimlich,
    die Gefangenen auch zu sehen hinter einem großen Zaun, diese
    hasserfüllten Blicke oder diese Rufe…

    Dir ein feines Wochenende mit gaaanz viel Sonne

    herzlichst, Edith

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