Archiv für die Kategorie ‘Dementia in miniatures’

  Wie wird das sein Wie wird das sein. Denke ich. Wie wird das sein. Wenn sie mich nicht mehr erkennt. Werde ich auch dann noch einen Draht zu ihr finden. Sie vergisst so viele Namen. Manchmal auch meinen. Gestern hat sie ihren Sohn nicht erkannt. Nur kurz. Und doch. Sie weiß es. Das macht [...]

  Die einzige Antwort Ich fühle mich. Hilflos. Ich kann sie nicht beaufsichtigen. Nicht einsperren. Nicht beschützen. Vor sich selbst. Vor all dem, das sie nicht mehr weiß. Die Hilflosigkeit zerrt. An meiner Geduld. Mit ihr. Sie beugt sich nicht mehr. Geht ihren Weg. Unbeeindruckt. Vom Gebot. Von jeder Bitte. Unbeeindruckt von Gefahr. Warum? Hört [...]

  Über die Dummheit Und dann erzählen sie. Anekdoten. Abendfüllend. Und dann lachen sie. Weil es so lustig ist. Wenn Menschen sich nicht mehr erinnern. Wie man einen Schuh anzieht. Oder Klopapier im Eisschrank lagern. Zeigefinger tippen auf Stirnen. Hinterrücks. Hohl klingt das. Wie ein Ping Pong der Angst.  

  Der Besuch IV. Heute geht es ihr nicht gut. Ich sehe es sofort. Das Gesicht ist teigig. Ihre Augen sind rot. Die Bewegungen fahrig. Sie sitzt auf dem Bett. Ich muss ganz nahe kommen. Dass sie mich erkennt. Sie sieht besonders schlecht. Wenn es ihr nicht gut geht. Ich setze mich neben sie. Lege [...]

  Von der Kraft Es war nicht leicht. Nein. Ganz und gar nicht. Es war nicht leicht. Ihr Weggleiten zu sehen. Es wahrhaben zu wollen. Zu können. Sie war die Mutter. Ist plötzlich Kind. Die Angst fraß sich in meinen Schoß. Der sie niemals geboren. Die Angst fraß mich. Die ich aus ihrem Schoß geboren. [...]

   

  “dementia 01″, acryl auf keilrahmen, 30×40 nein ich esse meine suppe nicht nein nein ich esse meine suppe …? suppe? nein ich esse … ? esse? nicht. nicht …? © evelyne w.  

  Auch ohne Worte Sie mag nicht essen. Will unbedingt, dass ich ihre Mahlzeit esse. Den Tee schüttet sie aus. Nur Kekse. Will sie immer. »Iss!«, drängt sie mich. »Nein, ich esse erst später.« Ihre Augen werden unruhig. Bleiben auf dem Papierkorb hängen. Sie schüttelt den Kopf. »Dort kann ich nicht.« »Dann lass es stehen. [...]

  Ohne Worte I. Die Worte verstecken sich. In ihrem Kopf. Nisten sich in ihrem Bauch ein. Finden von dort den Weg nicht. Zu ihrem Mund. In ihren Augen kann ich sie manches Mal entdecken. Dann nehme ich ihre Hand. Sie lächelt. Und wir brauchen keine Worte.  

die depression schluckt ihre worte worteschluck depression depression schluckworte wortedepression schluck schluckdepression worte verstummt.